Ubisoft oder wie man mit DRM alles falsch macht

Sonstiges — Tags: , , , — nemesis @ 06:18

Waehrend man bei den Musikfirmen langsam merkt, dass DRM (Digital Rights Management) aufgrund seiner Probleme nicht das Werkzeug ist um gewinnbringend Content zu den Nutzern zu bringen, versucht es Ubisoft damit nun bei seinen Spielen. DRM hat sich im Musikbusiness nicht durchgesetzt, da damit zuviele Probleme und Inkompatibilitaeten aufgetreten sind. Viele MP3-Player koennen damit nicht umgehen und am Beispiel des Yahoo Shops, der nach ein paar Monaten einfach den Verkauf einstellte und die Lizensserver herunter fuhr sieht man, dass man mit DRM absolut abhaengig vom eigentlichen Contentprovider ist. Ist der naemlich nicht mehr verfuegbar kann der Content nicht genutzt werden. Das haben auch die Spieler der beiden neuen Spiele von Ubisoft gemerkt, Assassins Creed 2 und Silent Hunter 5 waren trotz 50 Euro-Investition nicht spielbar – die Ubisoft-DRM-Server waren nicht erreichbar. Ubisoft setzt bei seinem neuen Kopierschutz auf eine staendige Internetverbindung des Spielers. Die Logik, warum bei einem Einzelspielerspiel eine Internetverbindung verfuegbar sein muss, wird sich dem durchschnittlichen Kaeufer wahrscheinlich eher nicht erschliessen.

Das Prinzip ist relativ einfach. Wenn ein neues Level gestartet werden soll stellt der Spielclient eine Anfrage an die Ubisoftserver und erhaelt Daten, die es erst moeglich machen das Level selbst zu starten. Ubisoft hat also die volle Kontrolle ueber den Spielverlauf. Ubisoft hat dadurch Kontrolle ueber alle legitimen Kaeufer und kann Kopien ohne korrekte Aktivierung ausschliessen. Dies scheint (noch) relativ gut zu funktionieren, es gibt fuer beide Spiele zwar Cracks, welche das Starten groesstenteils moeglich machen, diese funktionieren anscheinend aber noch nicht fehlerfrei.Ein weiterer Vorteil den Ubisoft mit diesem System hat ist die Eindaemmung des Gebrauchtspielverkaufs. Wenn das Spiel einmal aktiviert wurde ist es vortan nur noch mit dem eigenen Ubiaccount benutzbar, welcher wohl ungern verkauft werden wird, da er an die persoenlichen Daten und die Emailadresse gebunden ist. Ein Uebergeben des Datentraegers ist also nicht mehr ausreichend.

Insgesamt erhaelt Ubisoft nun zwei Vorteile fuer die Verbraucher jedoch mit einigen Einschraenkungen zahlen. Da waere zum einen die erschwerte Wiederverkaufbarkeit des Spiels und zum anderen der staendige Onlinezwang. Eine Runde unterwegs zu spielen ist also nur eingeschraenkt moeglich und erfordert mobile Datentarife die verhaeltnismaessig teuer sind.

Fuer den Nutzer bringt DRM nur Einschraenkungen und keine Vorteile. Vor einigen Tagen kam es zudem zu Problemen mit den Ubisoftservern, sodass die Spiele ueber Tage hinweg, auch mit Internetanbindung, nicht spielbar waren. Die Server waren schlichtweg nicht erreichbar. Laut einer Pressemitteilung von Ubisoft wurden die Server mit DoS-Attacken lahmgelegt, was dem gefrusteten Spieler jedoch relativ egal gewesen sein duerfte.

In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass Spielepiraten weniger Probleme mit den Spielen hatten als jene, welche sich das Spiel original fuer viel Geld gekauft haben. Es gibt kein nerviges DVD-Wechseln, keine Onlineaktivierung, kein Steam, Seriennummern muessen nicht abgetippt werden und je nach Kopierschutz verringern sich sogar die Ladezeiten beim Starten des Spiels. Auch Ubisoft weiss das und hat vor einer Zeit einen Crack der Gruppe RELOADED fuer das Spiel Rainbow Six Vegas 2 als Patch angeboten weil der Kopierschutz Probleme verursachte.

Eine Frage ist nun, wie lange Ubisofts “Geniestreich” den Piraten standhaelt. Prinzipiell ist alles was im Betriebssystemkontext auf dem Nutzerrechner laeuft crackbar. An irgendeiner Stelle wird schliesslich der ungeschuetzte Originalcode des Spiels im Prozessor verarbeitet. Sobald ein neuartiger Kopierschutz auf den Markt kommt, hat dieser den Vorteil unbekannt zu sein, d.h. bekannte Techniken zur Umgehung koennen nicht angewendet werden. Es kommt somit aber meist nur auf die Zeit und den Willen der Cracker an. Ein besonderes Beispiel ist der Kopierschutz Starforce in Splinter Cell 3. Es verging fast ein Jahr bis dieser ausgehebelt wurde. Im Endeffekt laeuft es immer auf ein Katz und Mausspiel hinaus, dass bisher jedes mal die Cracker gewonnen haben. Im Falle Ubisofts kommt allerdings hinzu, dass fuer alle moeglichen Wege des Spiels die Daten vom Ubisoftserver benoetigt werden. Vielleicht sehen wir ja in nicht allzuferner Zeit Serveremulatoren aehnlich zu Steam oder WOW, mit denen es moeglich ist ohne Internetverbindung und somit auch ohne Abhaengigkeit von Ubisoft – auch unterwegs – die Spiele zu spielen.

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